Therapiehunde-Team Therapeuten auf vier Pfoten

Seit vielen Jahren ist die Hundetherapie in den stationären Pflegeeinrichtungen des ASB Regionalverband Herne-Gelsenkirchen e.V. und der angegliederten Gesellschaften ein fester Bestandteil der sozialtherapeutischen Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner. Die Therapiehunde Candy, Mia und Micky mit ihrem Hundeführer Matthias Bohne sowie die Sozialarbeiterin und Therapiehundeführerin Lina Störbeck mit ihren ebenfalls ausgebildeten Therapiehunden Minou & Izzy sind nahezu täglich in den ASB-Einrichtungen der Region im Einsatz.

Die Arbeit des Teams erfolgt auf einer fundierten konzeptionellen Grundlage und in enger Abstimmung mit dem Berufsverband Therapiebegleithunde Deutschland e.V. (TBD e.V.). Zusammen mit dem TBD e.V. wurden Standards in der Hundetherapie speziell für den ASB Regionalverband Herne-Gelsenkirchen e.V. entwickelt: Neben einer vorgegebenen Methodik und Zielsetzung mit entsprechender Evaluierung und Erfolgskontrolle, wurden auch konkrete Hygienemaßnahmen, Gesundheitschecks für die Therapiehunde sowie Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für die Hundeführer definiert. Regelmäßige, mit dem TBDe.V. gemeinsam konzipierte Fortbildungseinheiten garantieren eine stets optimale Umsetzung der Hundetherapie für die Bewohnerinnen und Bewohner.

Auf Grundlage dieser positiven Wirkung von Hunden auf den Menschen werden durch den Einsatz der Therapiebegleithunde allgemeine bzw. individuelle Förderziele verfolgt. Dazu werden je nach individuellen Ressourcen der Bewohner verschiedene Ebenen und Bereiche während des Einsatzes angesprochen bzw. durchlaufen. Übergeordnetes Ziel ist stets der Erhalt und die Förderung der noch vorhandenen kognitiven und motorischen Fähigkeiten jedes Bewohners. 

Die Einsätze der Tiergestützten Therapie in den Begegnungs- und Pflegezentren des ASB werden nach einheitlichen Standards für die Vorbereitung, Durchführung, Nachbereitung und Evaluation durchgeführt. Der Einsatz der Therapiehunde-Teams erfolgt in Einzel- oder Gruppenangeboten, deren Ablauf durch festgelegte Rituale geprägt ist, um den Bewohnern Sicherheit und Orientierung zu vermitteln. Dazu beginnt jeder Einsatz mit einer Begrüßungsphase und endet nach Durchführung der Übungen mit einer Verabschiedung der Therapiebegleithunde. Die Intensität der Begrüßung und Verabschiedung orientiert sich an den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Bewohner.

 

Grundsätzlich lassen sich die zwei Formen der „beständigen“ und „frei zugänglichen“ Gruppenangebote unterscheiden. In den beständigen Gruppen werden bestimmte Bewohner ausgewählt, welche regelmäßig an dem Angebot teilnehmen. Dabei wird sowohl ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Bewohnern geschaffen, als auch eine individuelle, zielgerichtete Durchführung gewährleistet. Hingegen können in den frei zugänglichen Gruppen die Anzahl der Teilnehmer sowie die Zusammensetzung der Gruppe variieren. Durch die Unbeständigkeit kann keine konstante, individuelle und zielgerichtete Durchführung garantiert werden.

 

Ablauf der Einsätze

Die Vorbereitung des Gruppenangebots der Tiergestützten Therapie beinhaltet sowohl die Anpassung des Angebotes auf die ausgewählten bzw. teilnehmenden Bewohner, als auch die Festlegung der Ziele unter Berücksichtigung der genannten Ebenen und Aspekte. Insbesondere bei den beständigen Gruppenangeboten werden die Ziele auf die motorischen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten und Ressourcen des Einzelnen abgestimmt. Diese Ziele werden in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Tiergestützten Therapie und den Mitarbeitern des jeweiligen Sozialtherapeutischen Dienstes (STD) schriftlich in der Betreuungsplanung festgehalten. Da bei den frei zugänglichen Gruppen die Teilnehmer wechseln, können im Vorfeld nur rudimentäre Zielsetzungen (bspw. Abwechslung zum Alltag und Vorbeugung von Isolation) definiert werden. Unabhängig von Gruppentyp wird im Vorfeld des praktischen Einsatzes von dem Professionellen geeignetes Therapiematerial ausgewählt, welches unter-stützend zur Erreichung der Ziele eingesetzt wird. Die Bewohner werden frühzeitig durch die Wochenübersicht des STD über die Gruppenangebote informiert. Die Gruppenangebote finden Wohnbereich übergreifend, mindestens einmal wöchentlich für ca. 60 Minuten in den Häusern statt.

Die Durchführung des Gruppenangebots der Tiergestützten Therapie beginnt bereits mit der Vorbereitung des Kursraumes. Dieser wird von dem Professionellen nach Bedarf (bspw. Anzahl und Mobilitätsbeschränkungen der Bewohner) ausgewählt und ausgestattet. Die teilnehmenden Bewohner gelangen selbstständig in den Kursraum oder werden von den Mitarbeitern des STD oder von Ehrenamtlichen dorthin begleitet und entsprechend nach dem Angebot wieder zurückgeführt. Um die Betreuung der Bewohner während des Einsatzes in allen Situationen sicherzustellen, ist neben dem Mitarbeiter der Tiergestützten Therapie ein weiterer Mitarbeiter der Einrichtung vor Ort. Im Anschluss an das Begrüßungsritual werden zielgerichtete Übungen unter Einsatz der Hunde und den Therapiemitteln durchgeführt. Indem bspw. der Bewohner ein Hundespielzeug wirft, wird die Hand-Auge-Koordination und die Kraftdosierung erhalten bzw. gefördert. Die Sprachfähigkeit, die Sprechbereitschaft und das Durchsetzungsvermögen wird durch das Geben von gezielten Kommandos an den Hund gestärkt. Am Ende jedes Einsatzes bekommen die Bewohner die Möglichkeit sich ausreichend von dem Hund zu verabschieden. 

Bei den Einzelangeboten der Tiergestützten Therapie kann sich der Hundeführer im Gegensatz zu den Gruppenangeboten intensiver auf die Bedürfnisse des jeweiligen Bewohners einstellen. Das Einzelangebot findet daher in der Regel einmal wöchentlich bis zu 30 Minuten je Bewohner statt.

Über das regelmäßige Leistungsangebot hinaus werden weitere Einsätze in Verbindung mit den Therapiehunde-Teams durchgeführt. Die Zusätzlichen Angebote tragen zur Steigerung der Lebensqualität der Bewohner bei, insbesondere durch die Einbindung der Angehörigen und die Zusammenarbeit mit diesen. Solche zusätzlichen Angebote werden je nach Nachfrage geplant und durchgeführt.

Nicht nur die eingesetzten Hunde müssen gewisse Voraussetzungen erfüllen, sondern auch die beteiligten Einrichtung, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die teilnehmenden Bewohnerinnen und Bewohner, um einen zielgerichteten Einsatz der Therapiehunde-Teams zu gewährleisten.  In den stationären Einrichtungen sind deshalb überall geeignete Räume für den Einsatz der Therapiehunde-Teams vorhanden. Vor den Besuchen wird geklärt, welche Bewohner bzw. Mitarbeiter Angst vor Hunden haben oder aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Therapie teilnehmen können. In Abstimmung mit den Mitarbeitern wird dann ein Einsatzplan für die Tiergestützte Therapie erstellt und entschieden, welche Bewohner am Besuch des Therapiehunde-Teams teilnehmen. Auch die zuständigen Aufsichtsbehörden wie das Gesundheitsamt und der MDK werden über die Anwesenheit der Therapiebegleithunde und den konzeptionellen Hintergrund ihrer Arbeit informiert.

Die Hundeführer verfügen über einen professionellen theoretischen Hintergrund, um den tiergestützten Einsatz planen, strukturieren und begründen zu können. Sie sind somit für einen zielgerichteten Einsatz und eine zielgerichtete Durchführung verantwortlich. Gleichzeitig sind sie für das Wohlergehen des Hundes und die Einhaltung der Richt- und Leitlinien hauptverantwortlich. Die eingesetzten Therapiebegleitunde unterliegen ebenfalls strengen Anforderungen. Sie werden entsprechend ihrer physischen und charakterlichen Stärken ausgewählt und eingesetzt und müssen folgende wesentliche Charaktermerkmale mitbringen, die für den geplanten Einsatz wichtig sind: Keine aggressive Ausstrahlung, am Menschen orien-tiert/interessiert, freundliches Wesen, gehorsam, empathisch. Der Hund sollte eine nachvollziehbare gute Sozialisation und von Geburt an engen Kontakt zu Menschen haben.

 

Unser Hygieneplan

Der Hygieneplan dient zur Minimierung des Risikos Infektionsübertragung vom Hund auf den Menschen und umgekehrt. Dazu beachten unsere Therapiehunde-Teams umfangreiche Maßnahmen wie zum Beispiel:

  • Lebensmittel, die für den menschlichen Verzehr vorgesehen sind, werden vom Hund ferngehalten und getrennt vom Hundefutter aufbewahrt
  • Vor der Zubereitung von Lebensmitteln bzw. vor dem Essen werden die Hände sorgfältig gewaschen und ggf. desinfiziert
  • Nach intensivem Streicheln oder Lecken sind die Hände und die beleckten Körperteile zu waschen, bei Abwehrgeschwächten erfolgt eine Desinfektion. Das Lecken im Gesicht ist grundsätzlich nicht erlaubt
  • Beim Auftragen z.B. von Vitaminpaste aus der Tube sind Q-Tipps, Holz-Spatel  oder andere Träger zu verwenden, damit die Tubenöffnung nicht mit der Haut des Bewohners in Berührung kommt
  • Beim Setzen/Legen des Hundes auf das Bett von Bewohnern sind kochfeste Laken unterzulegen die bei jedem Bewohner und nach jedem Einsatz gewechselt werden
  • Die Hunde sind frei von für Menschen ansteckenden Erkrankungen. Bei akuter Erkrankung oder einem ungeklärten Krankheitsbild wird der Hund nicht eingesetzt.
  • Es besteht ein vollständiger Impfschutz der Hunde, dieser kann durch Eintragungen im Impfbuch des Hundes nachgewiesen werden. Die Hunde werden nachweislich mindestens alle drei Monate entwurmt sowie regelmäßig alle drei Monate oder unverzüglich bei akuter Erkrankung einem Tierarzt zum Gesundheitscheck vorgestellt.
  • Die Hunde werden regelmäßig gewaschen und gebürstet. Spielmaterial, welches vom Hund benutzt wird, wird in einer separaten Kiste aufbewahrt und regelmäßig gereinigt
  • Bestimmte Bereiche betreten die Therapiehunde-Teams nicht: Küche, Bäder, Wäschelager, Vorratsraum, Zimmer und Aufenthaltsräume von Menschen mit bekannten Hundehaarallergien, Zimmer und Aufenthaltsräume von Menschen mit akuten Erkrankungen, es sei denn es liegt eine gegenteilige schriftliche Aussage des behandelnden Arztes vor, Zimmer und Aufenthaltsräume von Menschen, welche mit multiresistenten oder sehr infektiösen Erregern infiziert sind, Zimmer und Aufenthaltsräume von stark abwehrgeschwächten Menschen mit einer schweren Störung des Immunsystems, z.B. ausgeprägte Allergien, Asthma, schwere Formen der Neurodermitis. Es sei denn es liegt eine gegenteilige schriftliche Aussage des behandelnden Arztes vor, Zimmer von Menschen mit psychischen Erkrankungen, z.B. akute psychotische Dekompensation; Hundephobie. Ausnahmen sind hier nach einem sorgfältigen Abwägen der Risiken möglich.

Der Einsatz erfolgt im Einklang mit dem Tierschutzgesetz (TierSchG), den Rahmenbedingungen des ASB, dem Berufsverband Therapiebegleithunde Deutschland e.V. (TBD) sowie dem Münsteraner Institut für therapeutische Fortbildungen und tiergestützte Therapie (MITTT).

Für die eingesetzten Therapiebegleithunde in den Einrichtungen des ASB gelten in Anlehnung an das TierSchG folgende verbindliche Regelungen:

  • Der Hund wird artgerecht gefüttert und ihm steht Wasser zur freien Verfügung
  • Der Hund hat Familienanschluss und ihm wird ein angemessener physischer und psychischer Ausgleich zu seiner Arbeit geboten  
  • Dem Hund müssen Rückzugsmöglichkeiten geboten werden
  • Der Hund bekommt ausreichende Ruhephasen, 12-18 Stunden verteilt über den Tag, sowie längerfristige Ruhephasen über mehrere Tage
  • Stresssymptome und Überforderung müssen beim Hund erkannt und der Einsatz entsprechend angepasst werden
  • Im Einsatz muss darauf geachtet werden, dass dem Hund durch die Bewohner kein Leid, bspw. durch groben Umgang, widerfährt
  • Der Hund muss beim Transport immer gesichert sein, bspw. durch eine geeignete Transportbox

Über den Tierschutz hinaus gelten für die eingesetzten Therapiehunde spezielle weiterführende Richtlinien für den Einsatz in den Einrichtungen des ASB. So gehen die Hunde alle 3 Monate zu einem Gesundheitsscheck mit entsprechendem Nachweis und werden nachweislich geimpft und entwurmt. Hund und Hundeführer verfügen über eine Therapiebegleithundeausbildung. Der Hundeführer ist während des Einsatzes über den Arbeitgeber versichert (Berufshaftpflicht), zusätzlich besteht eine Haftpflichtversicherung für den Hund. Vor einem Einsatz wird geprüft welche Bewohnerinnen und Bewohner aus sozialer, psychischer und physiologischer Sicht an der Tiergestützten Therapie teilnehmen können. 

Der Arbeiter-Samariter-Bund

Der Arbeiter-Samariter-Bund Regionalverband Herne-Gelsenkirchen e.V. gehört mit mehr als 3.000 Mitgliedern zu den großen Sozialverbänden im Ruhrgebiet im Westen Deutschlands.

Kontakt

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